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DRK-Kreisverband Villingen-Schwenningen e.V.
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Geschichte

Die Anfänge des Roten Kreuzes im Gebiet des heutigen Schwarzwald-Baar-Kreises gehen, wie in ganz Baden, auf Großherzogin Luise zurück, die im Juni 1859 den Badischen Frauenverein gründete, „um überhaupt auf Erzielung einer guten Krankenpflege im Lande hinzuwirken und um für Zeiten des Eintrittes ungewöhnlich vieler Krankheitsfälle oder für den Fall eines Krieges zur Pflege der Verwundeten eine größere Anzahl wohleingeübter, wahrhaft christlicher Krankenpflegerinnen zur Verfügung zu haben...“ (Satzung des Bad. Frauenvereins Juli 1859). Unmittelbarer Anlaß war der Ausbruch des Italienischen Befreiungskrieges im Januar 1859 mit der Gefahr der Ausdehnung des Kriegsschauplatzes auf Süddeutschland im Juni 1859. Als Vorbild diente der 21jährigen Badischen Großherzogin (Abb.1) vermutlich das 1814 gegründete „Patriotische Institut der Frauenvereine zu Weimar“ und den 1817 gegründeten „Württembergischen Wohltätigkeitsverein“ in Stuttgart. Die Satzung des Badischen Frauenvereins wurde noch im Juni 1859 in 7.000 Exemplaren in allen badischen Städten und Gemeinden verbreitet mit der Bitte um örtliche Gründungen des Frauenvereins.

Bis Ende Juni hatten sich in Baden bereits 37 solcher Zweigvereine gebildet, darunter der Zweigverein Triberg (Abb.2), der erste dieser Vereine im heutigen Gebiet des DRK Kreisverbandes Villingen-Schwenningen, gefolgt im Juli 1859 von der Gründung der Bezirksabteilung Villingen des Badischen Frauenvereins. Durch den Frieden von Villafranca im Juli 1859 war die Kriegsgefahr für Süddeutschland gebannt und der Badische Frauenverein hätte sich, dem Beispiel ähnlicher Organisationen in der Vergangenheit folgend, auflösen können, doch machten Großherzogin Luise und Ministerialrat Dr. Dietz durch eine Satzungsänderung den Badischen Frauenverein zu einer dauerhaften Einrichtung, welche hauptsächlich die Krankenpflege, doch auch die allgemeine Wohlfahrtsarbeit zum Inhalt hatte. In der Auswahl seiner sozialen Arbeitsgebiete war der einzelne Zweigverein frei und so kommt es, dass die in unserem Kreisverbandsgebiet tätigen Frauenvereine in den nachfolgenden Jahrzehnten neben der Krankenpflege weitere, ganz individuelle Tätigkeitsschwerpunkte hatten: beispielsweise unterhielten die Frauenvereine in Triberg und Villingen neben einer Krankenschwesternstation eine Kleinkinderschule, der Frauenverein Dürrheim bot Flickkurse an, der Frauenverein Königsfeld richtete eine Auskunftsstelle für Frauenberufe ein und der Frauenverein Schonach unterhielt eine Badeanstalt.

Im Oktober 1863 war in Genf unter Beteiligung von Delegierten aus 16 Staaten, darunter das Großherzogtum Baden und das Königreich Württemberg, das Rote Kreuz gegründet und 1864 die 1. Genfer Konvention durch Vertretern von 16 Staaten unterzeichnet worden, die noch im gleichen Jahr Baden als erster deutschen Staat beglaubigte. 1866, mit Ausbruch des Krieges Preußens gegen Österreich und den Deutschen Bund, veranlasste Großherzogin Luise, den Badischen Frauenverein dem Roten Kreuz in Genf zu unterstellen. Seit dem trug der Badische Frauenverein wie auch seine Zweigvereine im Namen den Zusatz „vom Roten Kreuz“. Im gleichen Jahr, 1866, hat sich in Baden ein „Männerhilfsverein“ gegründet, der sich allerdings wieder aufgelöst hat und 1870 beim Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges neugegründet wurde. Der in Villingen im Juni 1870 gegründete Männerhilfsverein bestand wohl bis März 1871.Während der Frauenverein in der Hauptsache für den Krankenpflegedienst zuständig war, sollten die Mitglieder des Männerhilfsvereins in erster Linie die Krankentransporte durchführen. Am 18. November 1871 schlossen sich die Badischen Frauenvereine und die Badischen Männerhilfsvereine zum Badischen Landeshilfsverein zusammen, ab 1889 Badischer Landesverein vom Roten Kreuz genannt. Der Badische Männerhilfsverein war wie der Frauenverein in lokale Gruppe gegliedert, die in Bezirken zusammengefaßt waren. In Villingen wurde 1904 ein Männerhilfsverein neugegründet. In Folge der vom preußischen Kriegsministerium herausgegebenen Kriegssanitätsordnung von 1878 mit den nachfolgenden Übereinkommen haben sich wie überall im Deutsche Reich auch in Baden und Württemberg Sanitätskolonnen gebildet, die direkten Vorläufer heutiger Ortsvereine und Bereitschaften, die erste in unserem Kreisverbandsgebiet 1896 in Villingen, gefolgt von Triberg 1898, St. Georgen 1901 (Abb.3), Schonach 1901, Schwenningen 1901 und Dürrheim 1910 (Abb.4). Wir können annehmen, dass diese und die in unserem Raum nachfolgend gegründeten badischen Sanitätskolonnen in Bezirksvereinen bzw. in einem Kreisverein zusammengefasst waren, der sich mit den Grenzen der politischen Verwaltung deckte und so direkte Vorläufer des heutigen DRK Kreisverbandes Villingen-Schwenningen ist. Die große Übung 1913 der Sanitätskolonnen Dürrheim, St. Georgen, Triberg und Villingen entspricht einer heutigen Kreisübung.

Die Rotkreuzarbeit in der Friedenszeit von 1871 bis 1914 bestand in unserem Raum wie in ganz Baden für die Sanitätskolonnen im Transport von Verletzten und Kranken, während sich die örtlichen Frauenvereine der Krankenpflege und der Sozialarbeit im weitesten Sinne widmeten. In einem bemerkenswerten organisatorischen Sondereinsatz betreute der Frauenverein Villingen die durch den Brand Klengens 1893 geschädigten Frauen. Dürrheim wurde mit der Gründung eines Kindersolbades 1883 und der Gründung eines Landessolbades 1908 Sitz zweier überregional bedeutender Rotkreuzeinrichtungen, die zwar in keinen direkten Bezug zum örtlichen Frauenverein standen, aber sicherlich nicht ohne einen gewissen Einfluß auf die Rotkreuzarbeit in Dürrheim waren. Während dieser Friedensjahre beinhaltete die Rotkreuzarbeit aber auch verstärkte Vorbereitung für den Kriegsfall, wie er dann mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 eintrat. Die jüngeren Kolonnenmitglieder wurden eingezogen und waren möglicherweise als Sanitätssoldaten im Sinne des Roten Kreuzes tätig, die in den einzelnen Orten verbliebenen Rotkreuzler richteten Reservelazarette ein und führten sie, transportierten und pflegten Verwundete, richteten Sanitätswachen an den Bahnhöfen ein, sammelten Wertstoffe und taten vieles mehr. Nach Ende des Krieges war in Folge der Entmilitarisierung Deutschlands für Viele der Sinn eines Roten Kreuzes in Deutschland in Frage gestellt, auch in unserem Raum. So war der Erhalt der Sanitätskolonne Dürrheim nur mit großen Anstrengungen möglich. Ob es im Bezirk Villingen zu ähnlich großen Auflösungserscheinungen von Sanitätskolonnen wie beispielsweise im benachbarten Württemberg kam, wo nach Kriegsende eine große Anzahl von Bezirksvereinen aufgehört hat zu existieren und erst mühsam wiedergegründet werden mussten, ist unbekannt, doch trifft wohl auch für unser Gebiet die andernorts gemachte Feststellung zu, dass Mitte der Zwanziger Jahre das Rote Kreuz in Deutschland seine Existenzkrise überwunden hat.

Die Sanitätskolonne Schwenningen übrigens hat in diesen schwierigen Nachkriegsjahren zusammengehalten und zählte 1929 zu den 5 stärksten Kolonnen in Württemberg und auch die Frauenvereine in unserem Gebiet habe ihre Aktivitäten weitgehend ungebrochen fortgesetzt. Mit der sog. Machtergreifung Adolf Hitlers am 30.Januar 1933 folgte in Deutschland die Gleichschaltung aller Lebensbereiche im Sinne des Nationalsozialismus, auch die des Roten Kreuzes. So schlägt beispielsweise der Villinger Ortsvereinsvorsitzende Bürgermeister Gremmelspacher in der Vorstandssitzung am 19. Juni 1933 unter dem Punkt 5 „Gleichschaltung“ vor, sein Amt dem neu zu erwartenden Villinger Bürgermeister zu übertragen und tritt in der Mitgliederversammlung am 3. Juli 1933 von seinem Amt zurück. In dieser Versammlung wurden auch „die Verfügungen des D.R.K. betr. dem Verhältniß der Kolonnen zum neuen Staat und den nationalen Verbänden“ (Protokollbuch Sanitätszug Villingen) verlesen. Die Gleichschaltung des Deutschen Roten Rotes geschah in zwei Schritten: zunächst mit der neuen Satzung vom 29. November 1933 und dann mit dem Gesetz über das Deutsche Rote Kreuz vom 9. Dezember 1937, der neuen Satzung vom 24. Dezember 1937 und der darauf fußenden Dienstvorschrift für das Deutsche Rote Kreuz vom 1. Januar 1938. Mit der Dienstvorschrift wurde das Deutsche Rote Kreuz „reichseinheitlich neugestaltet“, was einem Bruch mit Vergangenheit des Roten Kreuzes gleichkam. Alle bis dahin vereinsmäßig selbständigen Organisationen des DRK wurden aufgelöst. Das DRK wurde nun streng hierarchisch aufgebaut, die alten Dienstrangbezeichnungen und alten Organisationsbezeichnungen wurden abgeschafft und durch neue ersetzt, beispielsweise sprach man statt von Sanitätskolonnen jetzt von Bereitschaften. Die territoriale Gliederung des DRK wurde analog zu den Wehrkreisen des Militärs gestaltet.

Im südwestdeutschen Raum umfasste die neu geschaffene DRK –Landesstelle V mit Sitz in Stuttgart Baden, Württemberg und Hohenzollern. Die Eingliederung des Roten Kreuzes in die Kriegspolitik des Dritten Reiches kommt u.a. in großen Kreisübungen zum Ausdruck, wie sie auch in unserem Gebiet stattfanden, so im April 1938, bei der Wehrmacht und die Kreisbereitschaft Villingen eine gemeinsame Übung im Oberkirnachtal abhielten (Abb.5). Während des Zweiten Weltkrieges durften die einzelnen Ortsvereine keine Lazarette unterhalten, waren aber zum Transport der Verletzten vom Bahnhof zu den Lazaretten stark eingesetzt. Da ein Großteil der männlichen Bereitschaft eingezogen war und auch einige weibliche Bereitschaftsmitglieder in überörtlichem Kriegseinsatz standen, ruhte die örtliche Rotkreuzarbeit auf den Schultern der älteren männlichen und vor allem der verbliebenen weiblichen Bereitschaftsmitglieder. In Bad Dürrheim beispielsweise halfen viele junge Frauen beim Ausladen der Lazarettzüge, in Schwenningen beteiligten sich laufend zwei junge Frauen in Tag- und Nachtdiensten maßgeblich beim Krankentransport. Als dann bei Kriegsende Teile unseres Gebietes beim Durchbruch der Deutschen durch die französischen Linien Kriegsschauplatz wurden, haben die Dürrheimer Rotkreuzler ganz aus eigenem Antrieb und bewußt im Sinne Henry Dunants Soldaten und Zivilisten geborgen und versorgt. Beispielsweise hat ein Dürrheimer Rotkreuzler einen verletzten französischen Offizier in seinem Haus solange untergebracht, bis in Bad Dürrheim französische Lazarette eingerichtet waren. Nach Kriegsende schreibt der Schriftführer der Bereitschaft Villingen: „Der Krieg ist seit Anfang Mai 1945 zu Ende, aber bis heute,1. 8. 45 ist noch keine Klarheit geschaffen. Was uns noch alles bevorsteht“. Die DRK-Kreisstellen waren im sich ständig verändernden Rahmen des Möglichen weiter tätig, so auch die DRK Kreisstelle in Villingen. Sie führte trotz zeitweise außerordentlicher Benzinknappheit und Reifenmangel weiterhin den 1943 übernommenen Krankentransport durch, bemühte sich um Werbung junger Mitglieder und plante für den Januar 1947 einen EH-Kurs in der Hoffnung, dass bis dahin Dr. Rinkel aus der Kriegsgefangenschaft zurück ist. Sie war sicherlich an der Verteilung von Lebensmittelspenden und an der Organisation der Schulspeisungen in Bad Dürrheim, Königsfeld, Schonach, Schönwald, St. Georgen, Triberg, Villingen und Vöhrenbach beteiligt. 1946 verfügte die Kreisstelle Villingen über 6 Krankenwagen, 117 Helfer-Uniformen und 80 Helferinnen-Kleider. Die Kreisstelle war für die örtliche Rotkreuzarbeit auch insofern von großer Bedeutung, als dass sie die Bereitschaften über den aktuellen Stand der Rotkreuzneuorganisation auf Landesebene unterrichtete. So hat Kreisgeschäftsführer Otto Hofmann im Mai 1946 die Bereitschaft Villingen über die Gründung des Badischen Hilfswerkes informiert.

An der Gründungsversammlung des Badischen Hilfswerks in Freiburg nahmen acht Rotkreuzler aus dem Kreis Villingen teil, darunter selbstverständlich Kreisgeschäftsführer Hofmann. 1947 wurde dann in Freiburg das Badische Rote Kreuz gegründet. In der Diskussion 1952 – 1954 um Zusammenschluß der DRK Landesverbände Baden-Württemberg und Badisches Rotes Kreuz sprach sich der Kreisverband Villingen einstimmig für einen Zusammenschluß mit Sitz in Stuttgart aus. Über die Arbeit des DRK Kreisvereins Villingen in diesen Anfangsjahren informiert uns ein Zeitungsbericht: „Anläßlich der Versammlung des Kreisvereins Villingen des Badischen Roten Kreuzes gab der stellvertretende Kreisvorsitzende, Med.-Rat Dr. Machleid, einen wertvollen Einblick in die Arbeit des Roten Kreuzes. Zu Beginn begrüßte er die Delegierten der Ortsvereine des Kreises und gedachte besonders des verstorbenen Ortsvorsitzenden von St. Georgen, Karl Karrais. Im Geschäftsbericht wurden die Leistungen des Kreisvereins in der Zeit vom 1.4.1949 bis zum 31.12.1949 eingehend erwähnt. Es wurden 1703 Krankentransporte bei Tag und 139 bei Nacht ausgeführt, wobei eine Strecke von nahezu 73 000 km zurückgelegt wurde. Unter den Transportierten befanden sich 177 Infektionskranke und 244 Verunglückte. Von den verschiedenen Stellen im Kreis wurde insgesamt 3242mal die „Erste Hilfe“ geleistet. Den Krankenhäusern konnten 51 Blutspender vermittelt werden. In den Kinderheimen „Geutsche“ Nußbach und „Waldpeter“ in Schönwald waren nach und nach 480 erholungsbedürftige Kinder untergebracht und betreut worden. Die Kinder stammten vorwiegend aus Köln, die Kosten wurden von den verschiedenen Betriebskrankenkassen getragen. Der Aufenthalt war jeweils auf 6 Wochen befristet und hatte recht gute Ergebnisse gezeitigt. Das Kinderheim „Geutsche“ wurde ab 20.12. wieder seiner früheren Bestimmung übergeben; dafür trat das Kurhaus „Viktoria“ in Schönwald ein, das als Kindererholungsheim besonders eingerichtet ist. 35 kranke Heimkehrer, die in Krankenhäusern und im Erholungsheim der Caritas in Nußbach untergebracht waren, konnten an Weihnachten mit einem Gabenpaket erfreut werden. Außerdem wurde eine größere Anzahl Wäschestücke und Haushaltsgegenstände an bedürftige Flüchtlinge verteilt. Die Wahl für die Kreisvorstandschaft übertrug die seit einiger Zeit unbesetzte Stelle des 1. Vorsitzenden, Herrn Oberstudiendirektor a.D. Dr. Schilling, Villingen. Der bisherige Stellvertreter, Med. –Rat Dr. Machleid, wurde in seinem Amt bestätigt, dem als weibliche Stellvertreterin Schwester Emma Häßler, Villingen, zur Seite steht. Kreisbereitschaftsleiter wurde Dr. Huber, Bad Dürrheim, Leiterin Schwester Häßler. Als Beisitzer wurden gewählt Landrat Dr. Astfäller, die Herren Weißer, Schonach, Bottling, Villingen und Weiß, St.Georgen. Die allgemeine Frauenarbeit wurde Frau Dora Rauh, Bad Dürrheim, anvertraut“ (Protokollbuch Sanitätszug Villingen).

In seiner Ansprache bei der außerordentlichen Generalversammlung des Kreisvereins Villingen im Februar 1951 schilderte der 1. Vorsitzende Prof. Schilling als Aufgaben des Kreisvereins die Krankentransporte, das Kinderheim, die Kindertransporte und den Geschäftsverkehr mit den anderen Ortsvereinen. Doch war dieser Aufgabenkatalog noch im gleichen Jahr erweitert worden: „...281 mittellosen Durchreisenden wurde mit Kleidern und Geldspenden weitergeholfen, 105 Obdachlosen wurden Übernachtungsmöglichkeiten in Gasthäusern vermittelt. Nachdem nun auch der Suchdienst für den gesamten Kreis an das Rote Kreuz übergegangen ist, wurden an über 400 heimgekehrte Kriegsgefangene Fragebogen versandt, die schon wertvolle Hinweise für weitere Nachforschungen ergaben ... Aus dem Kreisgebiet werden immer noch 24 Kriegsgefangene und 1070 Vermißte gezählt.“(Protokollbuch Sanitätszug Villingen ).

Bei der Sitzung des Landesverbandes Badisches Rotes Kreuz am 31. März 1954 ergab eine Aussprache, „dass die Mitglieder des Landesausschusses den Wunsch haben, dass die Kreisvereine des Badischen Roten Kreuzes selbständige juristische Persönlichkeiten werden. Generalsekretär Hess betont, dass dem Wunsche der Kreisvereine stattgegeben werden könne, macht aber darauf aufmerksam, dass die Kreisvereine, sobald sie selbständig sind, nach wie vor die Satzung des Landesverbandes als verbindlich anerkennen müssen. Er hebt des weiteren hervor, dass nicht nur die einzelnen Vermögensteile auf die Kreisvereine zu Eigentum übergehen, sondern dass auch die Schulden der Kreisvereine zu übernehmen sind. In der Diskussion wird festgestellt, dass für die rechtliche Selbständigkeit der Kreisvereine eine Änderung der bisherigen Satzung der Kreisvereine notwendig ist.“ (Archiv DRK Landesverband Badisches Rotes Kreuz). Gesetzlicher Hintergrund ist wohl eine neue Fassung der Gemeinnützigkeitsverordnung vom 24.12.1953. Am 25. Februar 1955 wird der DRK Kreisverein Villingen als selbständiger Verein eingetragen. Ein Jahr zuvor, am 1. April 1954, gab der Kreisverein den Krankentransport an den Ortsverein Villingen ab und vermutlich damit auch an die anderen Krankentransport betreibende Ortsvereine im Kreisverein. Die Mittfünfziger bis Mittsechziger Jahre waren in unserem Kreisverband die Zeit der großen, aufwendig vorbereiteten Kreisübungen unter Kreisbereitschaftsführer Göttler/Triberg (Abb.6). An der Kreisübung in St. Georgen am 14. Juli 1957 beispielsweise nahmen die Bereitschaften Bad Dürrheim, Mönchweiler, Niedereschach, St.Georgen, Schonach, Schönwald und Villingen mit insgesamt 300 Helferinnen und Helfern teil. Unter den Gästen waren der Lehrbeauftragte für Katastrophenschutz vom DRK Generalsekretariat in Bonn Otto Friedrich Schütz und der Generalsekretär des DRK Landesverbandes Südbaden Ludwig Heß. Jede Bereitschaft führte eine Anzahl Pflicht- und freiwilliger Übungen in der Mitte des Fußballfeldes auf der Roßberghöhe vor, als freiwillige Übung wurden u.a. gezeigt: der Auf- und Einbau eines Gestells zum Transport von Kranken auf einen Lastwagen, das Herrichten von Verletzten durch einen Mimtrupp, Bergung eines Verletzten bei einem Elektrounfall. Herr Schütz erklärte am Schluß der Übung „dass die Kreisbereitschaft Villingen ausgebildet sei wie nur wenige im südbadischen Raum“ (Protokollbuch Sanitätszug Villingen). Diese Kreisübung in Form einer Reihum-Übung war vermutlich die erste ihrer Art im Kreisverein, bei den anderen Kreisübungen gestaltete Kreisbereitschaftsführer Göttler möglichst wirklichkeitsnah ein mögliches Ereignis: 1954 „Zug entgleist, Marbach-Ost“, 1958 „Großbrand beim Waldpeter in Schönwald“, „schwerer Verkehrsunfall in Bad Dürrheim“ 1960, gefolgt im gleichen Jahr von einer zweitägigen Übung mit Nachteinsatz in Rensberg bei Schonach. Aber auch einzelne Ortsvereine führten aufwendige Bereitschaftsübungen durch (Abb.7), beispielsweise die Bereitschaft Triberg unter Bereitschaftsführer Franz Göttler 1957 eine Bergeübung am Bahnhofsfelsen (Abb.8) und die Bereitschaft Villingen zusammen mit der Feuerwehr 1961 einen „Flugzeugabsturz auf dem Benediktinerplatz“, eine Übung mit gleichem Titel wurde vom Villinger Roten Kreuz bereits 1957 bei der Schwedendammstrasse durchgeführt, damals zusammen mit dem THW.

Diese Übung muss sicher in Erfüllung einer neuen Aufgabenstellung durch das DRK in Bonn gesehen werden. 1955 hielt der oben bereits genannte Herr Schütz in Villingen einen Vortrag unter dem Thema „Aktuelle Aufgaben im Katastrophenschutz für unsere Bevölkerung“, in dem er dafür warb, dass die DRK Mitglieder in enger Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen in Katastrophenausschüssen und durch gegenseitigen Erfahrungsaustausch für Katastropheneinsätze geschult werden. In diesem Vortrag wies Herr Schütz auch auf Notwendigkeit von Kursen in häuslicher Krankenpflege, die „Pflege von Mutter und Kind“ und in Erster Hilfe hin. Da 52 % der Unfalltoten 1954 nicht an den ihren Unfallverletzungen starben, sondern durch unsachgemäße Hilfeleistungen, so Schütz, will das DRK erreichen, „dass durch Gesetzesbestimmung der Erwerb eines Führerscheines fürderhin an den Nachweis gebunden sein soll, dass der Antragsteller bereits einen Kurs in Erster Hilfe absolviert hat. Wenigstens aber sollte in jedem Wagen an gut erreichbarer Stelle ein Verbandskasten angebracht werden“ (Protokollbuch Sanitätszug Villingen). Und so berichtet der DRK Kreisverein Villingen für das Jahr 1957 (Abb.9), dass bei den Ortsvereinen in 14 Grundlehrgängen 593 Erwachsene und Jugendliche in Erster Hilfe ausgebildet wurden. „Im Kinderheim des Roten Kreuzes in Schönwald fanden 678 Kinder nötige Erholung. Überdies wurde durch zahlreiche Übungen zusammen mit der Feuerwehr und Polizei, sowie durch Lehrvorträge die Einsatzbereitschaf“ (gesteigert) (Protokollbuch Sanitätszug Villingen). In diesem Jahresbericht wird auch festgestellt, dass die Krankentransportdienststellen in Villingen, St.Georgen und Triberg 13.000 Transporte mit 15.100 Verletzten und Kranken durchgeführt und dabei 182.000 Kilometer zurückgelegt haben.

Mit Einrichtung des Blutspendedienstes in Baden-Württemberg 1958 fand auch in Villingen ein erster Blutspendetermin im August 1958 statt. Beim Probedurchlauf spendeten 130 Helferinnen und Helfer der Kreisbereitschaft Blut.

Als der Ortsverein Villingen 1962 zusammen mit der Feuerwehr in der Josefsgasse 12 offiziell ein neuerbautes Gebäude der Stadt Villingen bezog, durfte sich der Kreisverein anschließen: „Dem Ersuchen des DRK-Kreisvereins ihn in 2 Räumen des neuen DRK-Heimes aufzunehmen, wird stattgegeben. Der Büroraum des Kreisgeschäftsführes wird vom Ortsverein mitbenutzt werden können und zwar als Sitzungszimmer und Büro des Bereitschaftsführers. Der zweite Raum ist für Frl. Kühne und den DRK-Suchdienst vorgesehen.“ (Protokollbuch Sanitätszug Villingen). Bis 1996 sollte der Kreisverband in diesen Räumen verbleiben. Der Zusammenschluss der beiden Städte Villingen und Schwenningen 1972 zur sog. Doppelstadt Villingen-Schwenningen hatte für den DRK Kreisverband Villingen e.V. die Änderung seines Namens 1975 in DRK Kreisverband Villingen-Schwenningen e.V. zur Folge und vor allem den Übertritt des Ortsvereins Schwenningen 1974, der seit seiner Gründung 1901 dem Kreisverband Rottweil angehörte, in welchem er ein großes Gewicht hatte und dementsprechend lange Jahre Sitz des Kreisverbandes Rottweil e.V. war, der aber auch seit seiner Gründung Kontakte zu den im Badischen beheimateten Nachbar-Bereitschaften wie beispielsweise Bad Dürrheim und Villingen pflegte. Die vom Kreisverband Villingen ab 1972 angestrebte Fusion mit dem Kreisverband Donaueschingen kam allerdings nicht zu Stande (Abb.10).

In den 70er und 80er Jahren hatte der Kreisverband Villingen-Schwenningen starke Veränderungen auf dem Gebiet des Rettungsdienstes, des Katastrophenschutzes und der Sozialarbeit zu bewältigen. Der Rettungsdienst wurde in Deutschland seit Mitte der 60er Jahre zunehmend diskutiert, Stationen dieser vom Deutschen Roten Kreuz ausgehenden Diskussion sind die Rettungskongressen 1966, 1970, die Gründung des Institutes für Rettungsdienst 1971, die Tagung der Justitiare des DRK 1973 und vor allem der 3. Rettungskongress des DRK 1974. Das Land Baden-Württemberg erließ 1975 ein Rettungsdienstgesetz, das 1983, 1992 und 1998 novelliert wurde. Unter anderem wurde als Frist, in welcher der Rettungsdienst nach Eingang der Notfallmeldung an der Notfallstelle eingetroffen sein muß, 10 bis maximal 15 Minuten vom Gesetzgeber festgelegt. Um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, richtete der Kreisverband Villingen-Schwenningen 1975 in der Josefgasse 12 eine zentrale Rettungsleitstelle ein, von wo die Fahrzeuge der einzelnen Rettungswachen im Schwarzwald-Baar-Kreis eingesetzt wurden. Noch wurde aber der Rettungsdienst von den Ortsvereinen Bad-Dürrheim, Königsfeld, St. Georgen, Schwenningen, Triberg und Villingen selbständig besorgt. Mit der Zentralisierung des Rettungsdienstes in unserem Kreisverband 1988 aufgrund des entsprechenden Gesetzes gaben diese Ortsvereine den Rettungsdienst an den Kreisverband ab, was für die Ortsvereine einen tiefen Einschnitt bedeutete. Sie blieben jedoch Sitz einer Rettungswache. Die Stationierung des Rettungshubschraubers Christoph 11 in Villingen-Schwenningen 1975 (Abb.11), dem ersten Rettungshubschrauber im Landesverband Südbaden, erhöhte die Bedeutung des Kreisverbandes, war aber auch mit der Bewältigung erheblicher finanzieller Schwierigkeiten verbunden, wie überhaupt die gesamten Veränderungen dieser Jahre im Rettungswesen an die Finanzkraft des Kreisverbandes außerordentliche hohe Anforderungen stellten.

Mit der Professionalisierung des Rettungsdienstes einher ging die Schaffung eines bereits 1966 geforderten spezifischen Berufsbildes „Rettungsassistent“. 1989 wurde ein entsprechendes Gesetz erlassen, 1992 wurden die Rettungswachen in Schwenningen und Villingen staatlich anerkannte Lehrrettungswachen. In einer landesweit einmaligen Aktion hatte der Ortsverein Schwenningen in Eigeninitiative 1984 in Anlehnung an den Rettungssanitäterkurs der Landesarbeitsgemeinschaft der Sanitätsorganisationen für 46 Ehrenamtliche eine Krankentransportausbildung durchgeführt. Im Laufe dieser Jahre wurde der Rettungsdienst immer mehr professionalisiert, was auch eine immer größere organisatorische Selbständigkeit des Rettungsdienstes zu Folge hatte wie sie in Gründung der Rettungsdienst gemeinnützige GmbH Schwarzwald Baar 1995 zum Ausdruck kommt. Höhepunkt dieser Entwicklung bei unserem Kreisverband ist die Zertifizierung der Bereiche Notfallrettung, Luftrettung, Krankentransport und Leitstelle nach Din EN ISO 9001:2000 im Jahr 2005. Auch die laufende Gesetzgebung zum Katastrophenschutz fand im Kreisverband Villingen-Schwenningen ihren selbstverständlichen Niederschlag und mußte organisatorisch bewältigt werden. Bis 1986 wurde vom DRK die 1957 beschlossene Katastrophenschutz-Vorschrift überarbeitet, wobei das DRK auf Bundesebene besondere Sorgfalt auf sein Hilfszug legte. In unserem Kreisverband fand dieses Bemühen seinen Niederschlag darin, dass der Kreisverband mit dem Landkreis Schwarzwald-Baar einen Vertrag über die Gestellung von Einsatzeinheiten (Sanitätszug II, Amtliches Auskunftsbüro, Schnelleinsatzgruppe). Ebenfalls in den 70er Jahren begann bundesweit eine Erweiterung der Rotkreuz-Sozialarbeit indem „Mobile Soziale Dienste“ wie die offene Altenhilfe oder „Essen auf Rädern“ aufgebaut und Kinder- und Behindertentransporte aufgenommen wurden. Sie war in diesem Umfang nur möglich geworden durch den Einsatz von Zivildienstleistenden. In unserem Kreisverband spiegelt sich diese Entwicklung wider in der Einrichtung von Altentagesstätten 1968 in Schwenningen und 1975 Villingen, der Einstellung erster Zivildienstleistender ab 1971 und der Einführung des „Mittagstisch auf Rädern“ durch die Ortsvereine Schwenningen, Triberg, St.Georgen und Villingen. Ferner nahmen die Ortsvereine Schwenningen, Bad Dürrheim, St.Georgen und Villingen Schüler- und Behindertentransporte auf. Bemerkenswert ist, dass im Kreisverband Villingen-Schwenningen dieser Teil der Sozialarbeit nicht wie in anderen Kreisverbänden vom Kreisverband, sondern von Ortsvereinen erledigt wird, was Ausdruck der Stärke und Leistungsfähigkeit unserer Ortsvereine ist. Die seitens des Kreisverbandes geleistete Sozialarbeit bestand seit Ende der 70er Jahre in der Betreuung von Kontingent-Flüchtlinge in verschiedenen Ausländerwohnheimen durch hauptamtliche Teilzeitkräfte und ebenfalls durch hauptamtliche Kräfte in der Betreuung von Aussiedlern und Asylbewerbern. Während der Kreisverband diese Aufgaben vom Schwarzwald-Baar-Kreis übertragen erhalten hat, ist die Kreisnachforschungsstelle mit den Aufgabengebieten Suchdienst und Familienzusammenführung eine ältere Einrichtung beim Kreisverband (s.o.), deren Arbeitsvolumen je nach politischer Lage an- und auch wieder abschwillt.

Seit über 50 Jahren leistet der DRK Kreisverband Villingen-Schwenningen e.V. bzw. seine Vorgänger als Bindeglied zwischen dem Landesverband und den Ortsvereinen und gemeinsam mit ihnen Rotkreuzarbeit für die Menschen im Gebiet des Schwarzwald-Baar-Kreises und hat dadurch geholfen, viel menschliches Leid zu mildern. Seine Arbeit ist unverzichtbar.